41. GP Osterhas, 16. April 2022

Deutsche Dominanz am GP Osterhas

Erneut haben deutsche Radsportler am Radkriterium Grand Prix Osterhas die ersten vier Plätze erobert. Als bester Schweizer landet Jan Stöckli auf dem fünften Platz. Am meisten Publikum wohnte jedoch den Nachwuchsrennen bei.

map. Die deutsche Radsportmannschaft RSC Kempten hat auch in diesem Jahr den GP Osterhas geprägt. Bei der verregneten Austragung im Vorjahr stellte der mit 700 Mitgliedern (!) grösste Radsportverein Bayerns gleich sämtliche Podiumsfahrer und mit dem späteren deutschen Kriteriumsmeister Jonas Schmeiser auch den Sieger. Diesmal, bei trocknem Wetter aber kühler Bise, erwischte Schmeiser nicht seinen besten Tag. Zudem war der RSC Kempten heuer nur noch mit halber Mannschaftsstärke (4 Fahrer) angetreten. Schmiesers Teamkollegen schafften es dennoch, das Rennen unter Kontrolle zu halten. Allen voran der Vorjahreszweite Andreas Mayr, der vor Teamkollege Dario Raps gewann. Das Podium komplettierte Levi Messmer.

Aus Veranstaltersicht erfreulich war, dass auch RRC-Amt-Leistungsträger Urs Huber zu Beginn des Rundstreckenrennens Akzente zu setzen vermochte. Zusammen mit Raps und Nico Tambarikas und Jeremias Jenelten war der Mettmenstetter Teil einer drei Mann starken Fluchtgruppe, die mit bis zu 20 Sekunden Vorsprung vor dem Feld herraste. Das Durchschnittstempo stieg dabei auf über 45 km/h. Doch die Gruppe harmonierte nicht perfekt, um dem Peloton auf Dauer die Stirn zu bieten und wurde nach etwa 15 von 100 Runden wieder eingeholt. Ärgerlich für Huber: Da es eine neun Mann starke Fluchtgruppe im Finale schaffte, das Feld zu überrunden, fiel der Säuliämtler vom neunten auf dem zwölften Rang zurück. Sein Kommentar: «Ich habe nach der ersten grossen Sprintwertung das Tempo durchgezogen. Tatsächlich bildete sich darauf eine Fluchtgruppe. Leider harmonierten wir nicht besonders gut. Als Einzelkämpfer war es schwierig, gegen die Teams zu bestehen.»

Sieger Andreas Mayr war wie schon im Vorjahr begeistert vom GP Osterhas. Er sagte: «Unsere Taktik ist trotz halbem Bestand an Teamfahrern auch diesmal wieder perfekt aufgegangen. Dario und ich haben sich die grossen Wertungen ersprintet; Jonas und Jan fuhren auf die kleinen. Das ist mein erster Sieg in der Schweiz!» Einfach sei das Rennen aber nicht gewesen, denn als deutscher Fahrer kenne man seine Schweizer Mitstreiter nicht. Deshalb habe man auf jeden Fluchtversuch reagieren müssen. Die Rennkonstellation habe jedoch einmal mehr gepasst.

Marlen Reusser überlegen

Bei den Frauen meldete sich anstelle von Linda Indergand, die die Rundenjagd am Ostersamstag in der Affoltemer Industrie 2017 und 2018 für sich entschieden hatte, in letzter Minute Zeitfahren-Vizeweltmeisterin und Olympia-Zweite Marlen Reusser an. Das war insofern erstaunlich, da man die derzeit international stärkste Schweizer Strassenradsportlerin eher an der gleichentags in Frankreich stattfindenden Radclassique Paris-Roubaix vermutet hätte. «Da ich als Spätberufene keine begnadete Fahrtechnikerin bin, haben wir bei der Jahresplanung meines Rennprogramms im Team festgelegt, dass ich nicht bei Paris-Roubaix starte, das vor allem bei nassen Bedingungen mit den zahlreichen Pflastersteinpassagen fahrtechnisch höchst anspruchsvoll ist», klärte Reusser auf. Darauf angesprochen, dass auch die Runde auf der Lindenmoosstrasse in Affoltern mit ihren zahlreichen Bahngeleiseüberquerungen bei Nässe nicht ganz ohne sei, sagte die 30-Jährige lachend: «Ich weiss. Aber wenn es geregnet hätte, wäre ich hier wohl mehr von vorne gefahren.»

«Noch mehr», muss man dazu anfügen. Denn Reusser prägte den Wettkampf ohnehin beinahe nach Belieben. Die einzige Fahrerin, die im Sprint mitzuhalten vermochte, war Spitzen-Mountainbikerin Alessandra Keller. Die beiden verstanden sich prächtig, wechselten sich an der Spitze des Feldes oft gegenseitig ab und teilten die Sprintpunkte beinahe schwesterlich untereinander auf. Waren Reusser und Keller mal nicht zur Stelle, sprangen Reussers Teamkolleginnen Fabienne Buri und Jasmin Liechti in die Bresche. Buri sicherte sich schliesslich den dritten Platz auf dem Podium.

Weitere Highlights aus Säuliämtler Sicht

Für weitere Highlights aus Säuliämtler Sicht sorgten die Nachwuchsfahrerinnen und -fahrer: Francesco Caruso (5. U19), Cedric Graf (6. U17), Elia Felsberger (14. U17), Denis Flückiger (6. U15), Shana Huber (16. U15), Jan Graf (21. U15), Elio de Mey (5. U13), Raphael Baschung (7. U13), Lina Huber (12. U13), Nils Graf (14. U13), Aline Graf (15. U13), Fabio Baschung (4. U11) und Una Kerins (5. U11) zeigten tadellose Leistungen.

Nicht auf der Höhe war einzig die langsame und fehlerhafte Resultateauswertung. Sie führte nicht nur zu zahlreichen Reklamationen von Teilnehmern und Verzögerungen bei den Siegerehrungen. Da die Speaker im Unklaren gelassen wurden, wer im Rennen die Führung besass, blieb die Stimmung an der Strecke so kühl wie die unangenehm stark blasende Bise. Was wohl auch der Grund dafür war, weshalb nur wenige Hardcore-Fans bis zum Ende des Hauptrennens an der Strecke verweilten. Das war vor der Einführung von Chip-Zeitmessung und Zielfilm noch anders und zeigt die Grenzen der Digitalisierung bei einem anspruchsvollen Rundstreckenrennen wie dem GP Osterhas, wo es nach jeder Runde Punkte zu gewinnen gibt.

Pressekontakt: Martin Platter, 079 231 87 18

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